Ist die Paleo-Diät, die auf der von unseren Vorfahren im Paläolithikum praktizierten Ernährungsweise beruht, in der modernen Welt anwendbar? Können wir unsere Mahlzeiten nach dem Vorbild der Menschen zusammenstellen, die vor Tausenden von Jahren lebten? Und schließlich – ist eine solche Ernährung gut für uns?

Was ist die Paleo-Diät?
Die Paleo-Diät, auch als „Steinzeitdiät“ bekannt, ist ein moderner Versuch, die Ernährungsweise der Menschen aus dem Paläolithikum nachzuahmen. Sie wurde in den 1970er-Jahren des 20. Jahrhunderts vom Gastroenterologen Walter Voegtlin begründet und anschließend von Dr. S. Boyd Eaton, Professor für Anthropologie an der Emory University, popularisiert. Er war der Ansicht, dass der menschliche Körper für die Paleo-Diät geschaffen sei. In seinem Buch „The Paleolithic Prescription“ argumentierte er, dass uns die moderne Ernährung nicht guttut und wir daher zu der Ernährungsweise zurückkehren sollten, die in Jäger-und-Sammler-Gesellschaften praktiziert wurde (wofür wir genetisch programmiert seien).[1]. Sind moderne Krankheiten eine Folge der heutigen Ernährungsgewohnheiten? Diese Ansicht vertritt Eaton ebenso wie die Anhänger der Paleo-Diät.
Das Hauptziel der „Steinzeitdiät“ besteht nämlich darin, zu einer Ernährungsweise zurückzukehren, die dem Speiseplan der ersten Menschen ähnelt. Unter der Annahme, dass der menschliche Körper genetisch nicht an die moderne Ernährung angepasst ist, die mit den landwirtschaftlichen Praktiken aufkam, sollten Produkte, die aus dem Übergang von der Lebensweise als Jäger und Sammler hervorgegangen sind, vollständig abgelehnt und verarbeitete Produkte aus dem Speiseplan ausgeschlossen werden. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Landwirtschaft die Art und Weise verändert hat, wie wir essen – unter anderem führte sie Getreide, Milchprodukte und Hülsenfrüchte ein. Diese schnelle Ernährungsumstellung überstieg nach Ansicht von Experten die Anpassungsfähigkeit des Körpers. Deshalb haben wir mit Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen zu kämpfen.
Was sollte man bei der Paleo-Diät essen und was vermeiden?
Produkte, die dem Ernährungsmodell unserer Vorfahren ähneln:
- Obst und Gemüse
- Nüsse und Samen
- Fleisch: Geflügel (Truthahn, Hähnchen, Gans, Ente), mageres Rindfleisch, Innereien, Hase, Kaninchen, Hammelfleisch, Wild
- Meeresfrüchte
- Fisch: Lachs, Thunfisch, Forelle, Heilbutt, Kabeljau, Flunder, Seezunge, Hering, Sardine
- Eier
- Gesunde pflanzliche Fette: Kokosöl, Leinöl, Avocadoöl, Öle aus Nüssen und Samen, Olivenöl)
Produkte, die vermieden werden sollten:
- Hochverarbeitete Lebensmittel
- Getreide: Weizen, Dinkel, Roggen, Reis, Grütze
- Raffinierte Zucker
- Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen)
- Milchprodukte
- Stärkehaltiges Gemüse
Beispielmenü für die Paleo-Diät
Wenn ihr ausprobieren möchtet, ob die Paleo-Diät für euch geeignet ist, könnt ihr die folgenden Menüvorschläge nutzen:
FRÜHSTÜCK (Option 1)
In Kokosöl gebratene Eier
FRÜHSTÜCK (Option 2)
Pfannkuchen aus Banane und 2 Eiern, in Kokosöl gebraten
FRÜHSTÜCK (Option 3)
Spinat-Smoothie mit einer halben Banane und Ingwer
FRÜHSTÜCK (Option 4)
Im Avocado gebackenes Ei
FRÜHSTÜCK (Option 5)
Obstsalat (Apfel, Banane, Pflaume, Erdbeeren)
MITTAGESSEN (Option 1)
Salat mit Tomate, Gurke, Hähnchen und Olivenöl
MITTAGESSEN (Option 2)
Austernpilze mit Knoblauch, mit Petersilie bestreut und in Olivenöl gebraten
MITTAGESSEN (Option 3)
Gebratene Garnelen mit Knoblauch in Olivenöl
MITTAGESSEN (Option 4)
Gebackenes Hähnchen mit Spargel
MITTAGESSEN (Option 5)
Im Ofen gebackener Kabeljau in Tomatensauce
ABENDESSEN (Option 1)
Gebackene Gemüse-Pommes (Karotte, Zucchini, Petersilienwurzel)
ABENDESSEN (Option 2)
Thunfisch-Carpaccio
ABENDESSEN (Option 3)
Hart gekochte Eier + Gemüse
ABENDESSEN (Option 4)
Salat aus Avocado, Tomate, Gurke und Römersalat mit Chili und Leinöl
ABENDESSEN (Option 5)
Gebackener Lachs mit Spinat und Kirschtomaten
Vor- und Nachteile der Paleo-Diät
Die Paleo-Diät hat viele positive Aspekte und kann für viele Menschen eine hervorragende Lösung sein – sie basiert auf unverarbeiteten Lebensmitteln und kommt außerdem ohne unnötige Konservierungsstoffe und Salz aus (wodurch sie vielen Zivilisationskrankheiten vorbeugen kann). Zu den genannten Vorteilen der „Höhlenmenschen-Diät“ zählen laut Forschern Gewichtsverlust, die Regulierung des Lipid- und Insulinstoffwechsels, eine verbesserte Glukosetoleranz sowie eine Verbesserung der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen[2]Andererseits gibt es auch kritische Stimmen zur Paleo-Diät, etwa zur unnötigen Eliminierung von Milchprodukten (was einen Calcium- und Proteinmangel begünstigen kann) sowie ballaststoffreicher Produkte (Grützen, Vollkornbrot), die die Darmtätigkeit fördern und Verstopfung vorbeugen. Außerdem sollte man bedenken, dass es sich um eine kostspielige Ernährungsweise handelt, bei der Mahlzeiten häufig selbst zubereitet werden müssen. Darüber hinaus gibt es Fragen zur Hypothese der Paleo-Diät. Wissenschaftler argumentieren, dass die Unterschiede in der Ernährung unserer Vorfahren aus der Altsteinzeit auf viele Faktoren zurückzuführen sein könnten, darunter die geografische Lage, das Klima und die Verfügbarkeit von Lebensmitteln – können wir also sicher sein, dass unsere heutige Speisekarte derjenigen von vor Tausenden von Jahren entspricht?
Quelle:
[1] https://www.livescience.com/53368-paleo-diet.html
[2] https://www.healthline.com/nutrition/5-studies-on-the-paleo-diet#the-studies



